Beim Guillain-Barrè-Syndrom (GBS) handelt es sich um eine fortschreitende Entzündung peripherer Nerven und Nervenwurzeln.

Die ersten Anzeichen können Kribbeln oder Gefühlsverlust in Zehen und Fingern sein. Meist entsteht zunächst ein Schweregefühl in den Beinen, das in unterschiedlich starke Lähmungen mündet. Die Arme sind meist weniger betroffen. Diffuse Schmerzen treten am Rücken, am Hals und in den Gliedern auf. Oft kann der Beginn dieser neurologischen Erkrankung nur schwer vom Abklingen grippeähnlicher Krankheiten unterschieden werden.

Eines der wichtigsten diagnostischen Kriterien ist, dass bereits im Anfangsstadium des GBS die Muskelreflexe verlorengehen oder abgeschwächt werden. Auch die Hirnnerven, die Atem-, Blasen- und Zungenschlundmuskulatur können beeinträchtigt werden, so dass Patienten zeitweise Hilfsmittel benötigen. Herzrhytmusstörungen mit Pulsveränderungen können die vorübergehende Verwendung eines Herzschrittmachers erfordern. Ebenso treten Schäden am vegetativen Nervensystem und Blutdruckschwankungen, oft ein ausgeprägter Blutdruckanstieg, auf.

Krankheitsverlauf und Dauer variieren erheblich. Bei etwa 4/5 der Patienten kommt es innerhalb von drei Wochen noch zu einer Verschlechterung, in der vierten Woche wird ein Stillstand und der Übergang zur allmählichen Besserung erreicht. Bei wenigen Patienten kann aber eine Lähmung der Extremitäten über Wochen und Monate anhalten.

Auch der Schweregrad der Erkrankung variiert erheblich. Ein kleiner Teil der Patienten leidet nur an einem Taubheitsgefühl der Extremitäten, sowie an allgemeiner Schwäche und kann weiter seinen täglichen Verrichtungen nachgehen. Fast die Hälfte der Patienten ist jedoch vorübergehend gelähmt, fast 1/3 benötigt eine künstliche Beatmung.

Vorstellungen zur Krankheitsursache

Das Auftreten eines GBS steht in Zusammenhang mit vorangegangenen Infektionen der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts. Meist lagen ein bis zwei Wochen vor Beginn der neurologischen Erkrankung Infektionen mit Viren, Mykoplasmen oder Bakterien vor. Es wird vermutet, dass beim GBS eine der Infektion nachfolgende Immunreaktion auftritt, bei der das Immunsystem Strukturbestandteile des peripheren Nervensystems zerstört.

Den vorangegangenen Infektionen wird eine unspezifische Auslöserfunktion bei der Entstehung des GBS zugeschoben.

(Auszug aus dem GBS-Magazin Nr. 2 1996
Artikel von Dr. med. Hans Wilimzig)


 
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